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Corona Task Force

Mergers & Acquisitions

Unternehmenskaufverträge bleiben gültig

Andere (rechtliche) Themen stehen derzeit zu Recht im Vordergrund, aber auch der M&A Bereich wird natürlich von der „Corona-Krise“ und deren wirtschaftlichen Folgen empfindlich getroffen. Dies gilt in erster Linie für den Deal-Flow in der kurzfristigen Zukunft, es gibt aber natürlich auch Transaktionen, die kurz vor dem Vertragsschluss (oder jedenfalls in der Due Diligence Phase) standen oder bereits in der Phase zwischen Signing und Closing waren. Wegen der fehlenden Vorhersehbarkeit werden hier nur in den seltensten Fällen sogenannte Material Adverse Change Klauseln (MAC) vereinbart worden sein, so dass sich der Käufer grundsätzlich am Vertrag festhalten lassen muss. Nur in seltenen Ausnahmefällen dürfte es dem Käufer aufgrund einer allgemeinen MAC möglich sein, sich vom Vertrag zu lösen.

Die Finanzkrise 2008 hat eine Blaupause für die jetzige Situation geliefert, auch wenn seinerzeit (zunächst) ausschließlich die Finanzbranche betroffen war. Spätestens mit einer restriktiveren Vergabe von (Akquisitions-) Finanzierungen wirkte sich die Finanzkrise dann aber mittelbar sehr kurzfristig in der Transaktionspraxis aus – dies gilt für die Anzahl der Transaktionen, aber auch für eine Risikoverschiebung in der M&A-Praxis (vom Verkäufer- zum Käufermarkt).

Chance für den Mittelstand

Insbesondere für strategische Käufer, Family Offices oder mittelständische PE-Häuser, mit hohen liquiden Mittel oder kurzfristig zur Verfügung stehenden Kreditlinien, bietet das aktuelle Marktumfeld nun vielleicht die Chance, zu wieder moderateren Preisen auf Einkaufstour zu gehen – nach dem sie über mehrere Jahre den großen PE-Fonds mit feuchten Augen preisbedingt das Feld überlassen mussten.

Risikoverlagerung im SPA

Gleichzeitig sind die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und die in ihr liegenden Risiken nur schwer einzuschätzen. In der Finanzkrise 2008 waren die Käufer häufig in der Lage diese Risiken in den Unternehmenskaufverträgen (SPA) entweder gänzlich oder zumindest teilweise auf die Verkäufer zu verlagern. Die Mittel und Möglichkeiten hierfür sind zahlreich:

  • MAC-Klausel: Mit ihr kann der Käufer das Closing verhindern, so dass er bei einer negativen Entwicklung des Targets oder des Marktumfeldes vom Vollzug (und der Kaufpreiszahlung) Abstand nehmen kann – oder zumindest auf Basis einer MAC die Konditionen und insbesondere den Kaufpreis nachverhandeln kann.
  • Earn-Out / Milestones: Ein Teil des Kaufpreises wird erfolgsabhängig gestaltet und mindert damit das wirtschaftliche Risiko des Käufers, einen zu hohen Kaufpreis zu zahlen.
  • Vendor Loan: Ein Teil des Kaufpreises wird vom Verkäufer gestundet und möglicherweise, in Kombination mit einem Earn-Out, nur erfolgsabhängig vom Käufer zurückgezahlt.
  • Garantien / Cap / Escrow: Die Käufer sind in Krisenzeiten deutlich eher in der Lage umfangreiche Garantiekataloge, hohe Haftungshöchstgrenzen und Kaufpreiseinbehalte zu verhandeln.

Die vorgenannten Maßnahmen verleihen dem SPA und den Verhandlungen eine deutlich höhere Komplexität und Intensität, was bei der zeitlichen und personellen Planung einer entsprechenden Transaktion berücksichtigt werden muss.

Unternehmenserwerb in der Krise

Befindet sich das Target bereits in Schieflage, kann das Target vor der Insolvenz „gerettet“ werden oder die Insolvenz „abgewartet“ werden und somit ein Erwerb vom Insolvenzverwalter (z. B. durch eine übertragende Sanierung) in Betracht kommen.

Für welchen Weg man sich entscheidet, Erwerb in der Krise vor der Insolvenz oder im Insolvenzverfahren, kann von einer Vielzahl wirtschaftlicher, steuerlicher oder rechtlicher Erwägungen abhängen. Häufig wollen Erwerber das Stigma der Insolvenz vermeiden oder z. B. Genehmigungen, Subventionen oder steuerliche Verlustvorträge erhalten, allerdings haftet der Erwerber - auch bei einem Asset-Deal - von dem Insolvenzantrag für Altverbindlichkeiten (§ 25 HGB, § 75 AO, § 613a BGB) und hat eine geringe Transaktionssicherheit, falls der Verkäufer doch noch Insolvenz anmelden muss.  Im Insolvenzverfahren kann sich der potentielle Erwerber nicht sicher sein den Zuschlag zu erhalten, da die Veräußerung häufig im Rahmen eines Bieterverfahrens stattfindet. Im Gegenzug bietet ein Insolvenzverfahren die Möglichkeit, das Target an die Anforderungen des Käufers anzupassen.

Neben der Entscheidung für die Transaktionsstruktur ist auch die die rechtliche und steuerliche Umsetzung anspruchsvoll und die Risiken aufgrund fehlender Garantien oder hektisch durchgeführter Due Diligence in jedem Fall hoch.

BRL hält für alle Szenarien (i) Erwerb des gesunden Unternehmens in der „Post-Corona-Krise“, (ii) vorinsolvenzlicher Kauf in der Unternehmenskrise oder (iii) Erwerb vom Insolvenzverwalter oder im Rahmen der Eigenverwaltung den richtigen Experten bzw. interdisziplinäre Teams für Sie bereit.

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